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Summen in the City | Dort wo das Glück von Dächern fließt


Ja, es klingt banal. Und eigentlich kann ich diese leider viel zu realistischen Phrasen schon gar nicht mehr hören: Das ganze Leben ist ein Neuanfang. Da läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Uns ist allen klar, dass wir theoretisch immer die Möglichkeit haben, etwas anders als bisher zu machen: Morgens einfach im Bett bleiben oder in eine neue Stadt ziehen. Aber wenn man es dann plötzlich muss, wird aus der Theorie ganz schnell ein notwendiges Übel.

Im Nachhinein betrachtet, hat mich mein ganz eigenes notwendiges Übel auf einen neuen Weg gebracht. Eine Reise ins Unbekannte. Ein Weg, mit vielen wunderbaren Begegnungen und Momenten. Und von einer ganz besonderen Begegnung muss ich euch einfach erzählen.



Wenn man durch die Straßen einer Stadt schlendert und nach oben schaut, sieht man hinter den Häusern meist nur noch mehr Häuser. Schlendert man aber durch Kassel, sieht man ein wenig mehr. Summende Holzkisten, verteilt auf den Dächern der Stadt. Angefangen hat alles in der Nordstadt, hoch oben auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses. Victor Hernández ist Stadtimker und ich bin mir sicher, es war Liebe auf den ersten Blick. Wenn er mir von seinen Bienen erzählt glänzen seine Augen und die vielen Bienengeschichten sprudeln nur so aus ihm heraus. Mit jedem seiner Worte spürt man die Leidenschaft.

Für mich persönlich hat Honig nie eine so große Rolle gespielt. Aber dieser Stadtimker hat mich und meine Sichtweise verändert. Er zeigt mir eine völlig neue und spannende Welt. Ich kann euch versprechen, der Duft einer gefüllten Honigwabe ist unglaublich. Auch der Geschmack von warmen Honig direkt aus dem Bienenstock, unfassbar und unvergleichlich lecker. Ich kann die Liebe zu seinen Tieren und dem Produkt verstehen. Es ist eine Glücksdusche. In der kleinen Honig-Manufaktur wird alles mit viel Sorgfalt von Hand gemacht. Einfach 100% Kassel. Und mir wird wieder bewusst: Honig ist ein Naturprodukt. Jedes Jahr, an jedem Ort und sogar von Bienenvolk zu Bienenvolk verschieden.

Spätestens jetzt im Frühjahr, wenn die Obstbäume blühen und die Sonne die quirlige Stadt aufheizt, wird er kribbelig. Er muss raus, raus zu seinen Mädels. Für ihn gibt es immer etwas zu tun. Schließlich wollen wir am Ende der Saison alle wieder mit seinem Honig verzaubert werden. Um ehrlich zu sein, ich habe es  gewaltig unterschätzt. Der Aufwand ist riesig, aber er lohnt sich.

Foto: Victor Hernández



Der Tisch ist reich gedeckt. Die Stadt lockt mit vielen Nektarquellen: Dachterrassen, Balkone, Gärten, Brachflächen und Friedhöfe bieten ein vielfältiges Blütenangebot für seine fleißigen Honigsammlerinnen. Und genau diese vielen Facetten machen ihn aus, den Kasseler Stadthonig. Victor macht die Stadt essbar. Und so steht auf meinem Frühstückstisch jetzt eine bunte Honigvielfalt aus den verschiedensten Stadtteilen Kassels. Ein toller Moment, hinter dem viel Handarbeit und Leidenschaft steckt.

Das Glück festhalten, das könne man nicht, heißt es immer wieder. Dabei würden wir doch in manchen Momenten nichts lieber tun. Aber vielleicht geht es ja doch.





Das kleine Glück von den Dächern Kassels bekommt ihr nur in ausgewählten Geschäften vor Ort oder ihr fragt einfach mal direkt bei ihm an. Er freut sich sicher, der Kasseler Stadtimker.

Habt ein schönes Wochenende ♥ Katja

Kommentare:

  1. Das ist ein sehr schöner Bericht, bei uns auf dem Land sind noch einige Imker und ich weiß daher auch das Honig super schmecken kann und nicht mit dem industriell gemischten vergleichbar ist. Aber wir müssen uns immer mehr Sorgen um die Bienen machen, hoffentlich gibt es sie noch lange und die Bestände erholen sich wieder. Sonst werden wir auch bald keine Äpfel mehr haben...
    Liebe Grüße
    Karin

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    1. Ja, da hast du Recht - der Industriehonig kommt geschmacklich nicht an den Imkerhonig. Ich erlebe gerade wie aufwändig es ist eigen Honig herzustellen. Aber in ca. 2 Wochen werden wir für die ganze Mühe belohnt, die erste Frühtracht kann endlich geerntet werden... bin schon ganz kribbelig.

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    2. Jeder kann selber schon eine Menge gegen das Bienensterben tun. Am einfachsten ist es auf chemisches Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Oder ganz viele Blumen im Garten säen und guten Honig kaufen :)

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