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Nostalgische Frankreichgänsehaut

Wo soll ich anfangen? Ein Blick auf das Thermometer an meinem Schlafzimmerfenster lässt mich erschaudern. Einstellig. Da ist er wieder. Nass und kalt. Die Winterdecke ist schon ausgepackt und meine Ballerinas habe ich am Wochenende endgültige in den Winterschlaf verbannt. Das Schmuddelwetter da draußen animiert mich unweigerlich zum Nestbau. Kamin an, dicke Socken und ab auf die Couch. Und ja, irgendwie mag ich diese Zeit. Das Gefühl, sich endlich wieder einkuscheln zu dürfen, lässt mich durchatmen und ich kann endlich einen Gang runterschalten. Echt, ganz wirklich, wir dürfen, der Herbst hat es erlaubt.

Hier sitze ich nun, in eine Decke gewickelt, ein wenig erkältet, mit heißem Tee und den eigenen Gedanken. Ein guter Moment, um etwas nostalgisch in Erinnerungen zu baden und Fotos durchzustöbern. Es ist zwar schon eine Weile her, als wir uns aufmachten, um die Region Ardèche im Südosten Frankreichs gemeinsam zu erobern, aber die Bilder und Momente sind noch immer fest in meinen Kopf verankert.
Ich muss sie wegwerfen, eliminieren, zerstören. Irgendwas muss ich doch machen können. Es macht mich wahnsinnig, dieser ständige Blick auf die Uhr. Kann mir bitte jemand erklären, warum die Zeit im Büro nie so schnell vergeht? Ungerecht. Ein Gedanke, der während unserer Reise oft in meinem Kopf herumspukt. Ich möchte sie anhalten, die Zeit. Und wenn es nur für diesen einen Moment ist. Am liebsten würde ich sie mit all ihren Erinnerungen konservieren. Am liebsten würde ich sie irgendwie haltbar machen, vielleicht sogar zu Kompott verarbeiten, wie es früher meine Oma mit den Äpfeln tat.

Ende September. 25 Grad. Sonne. Wir hatten wahnsinniges Glück mit dem Wetter. Es waren die letzten warmen Tage für uns. Die Ardèche, ein neuer Punkt auf meiner heimlichen Lieblingsplatzliste. Von hier aus schweift der Blick in die Weite. Über wild-romantische, sonnenverwöhnte und beeindruckende Berg- und Flusslandschaften. Natursteinhäuser zwischen sattgrünen Tälern und kargen Hochebenen. In den Gärten Lavendel, alte Maronenbäume und allerlei Kräuter. Die reifen Früchte der Feigenbäume sind nur eine Armlänge entfernt. Einmal Nachschlag, bitte.
Gekieste Dorfplätze, im Schatten der Bäume klackern die silbernen Boule-Kugeln. Hier locken keine Grandhotels, keine Discos und keine Wellness-Farmen. Die Masse der Fremden konzentriert sich nicht auf diese Region. Zum Glück. Wer einen Sinn fürs Urtypische hat, der wirft seinen Tagesplan ganz schnell über den Haufen, setzt sich in eines der kleinen Cafés und genießt dieses Fleckchen Ursprünglichkeit. Ich könnte fast süchtig werden nach dieser Kombination. Mein Bilderbuch-Frankreich. Meine große, neue, alte Frankreich-Liebe.

Dieser bezaubernde Ort ersetzt jedes Kino, das Programm dauert einen ganzen Tag und morgen gibt es die nächste Vorstellung. Aber leider ohne uns, denn wir müssen dieses charmante Fleckchen wieder gegen den Alltag eintauschen.

Au revoir ♥ Katja

Kommentare:

  1. Oh, Katja, jetzt ist mein Herz ganz voller Sehnsucht nach solch einem schönen Ort. Du hast das so wundervoll beschrieben. Schreib ein Buch mit Deinen wunderbaren Blog-Geschichten und den vielen wunderschönen Fotos. Eine Augenweide :)-. rom

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    1. Liebe Rom, vielen Dank für deine warmen Worte! Es freut mich sehr, dass dir mein Text so nah geht. Deine Idee mit dem Buch werde ich mal reifen lassen :) Vielen Dank!! Lass es dir gut gehen, ich freue mich sehr wieder von dir zu hören. Alles liebe, Katja

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